Schloss Neuschwanstein

Schloss Neuschwanstein

In Südbayern, oberhalb von Hohenschwangau, bei Füssen befindet sich ein wahrhaftes Märchenschloss. Das Schloss Neuschwanstein sollte nicht die königliche Macht demonstrieren, sondern war als Rückzugsort für den scheuen König gedacht. 

Der Bau wurde ab 1869 für den bayerischen König Ludwig II. als idealisierte Vorstellung einer Ritterburg aus der Zeit des Mittelalters errichtet, wobei diese Inszenierung nur als Fassade diente: dahinter verbarg sich die für die Zeit modernste Technologie. Die Räume wurden über eine Heißluft-Zentralheizung erwärmt. In allen Stockwerken stand fließendes Wasser zur Verfügung, in der Küche sogar heiß und kalt. Die Toiletten besaßen automatische Spülungen. Über eine elektrische Rufanlage rief der König Diener und Adjutanten. Im dritten und vierten Obergeschoss gab es sogar Telefonanschlüsse. Speisen mussten nicht mühsam die Treppen hochgetragen werden – für sie stand ein Aufzug zur Verfügung. 

Schon beim Bau des Schlosses hatte man sich moderner technischer Mittel bedient. So wurden die Lastkräne mit Dampfmaschinen betrieben, und den Thronsaal errichtete man als ummantelte Stahlkonstruktion. Eine Besonderheit Neuschwansteins sind auch die großformatigen Fensterscheiben. Die Fertigung solcher Größen war selbst zur Zeit Ludwigs II. noch ungewöhnlich. 

Die Bauzeit des aufwendigen Schlosses erstreckte sich bis nach dem Lebensende des bayrischen Königs. Bereits sieben Wochen nach dessen Tod beschloss die Regierung, Neuschwanstein für zahlpflichtige Besucher zu öffnen: es wurde als die einzige Möglichkeit angesehen, die enormen Schulden auszugleichen. Das oftmals als Märchenschloss bezeichnete Neuschwanstein ist mittlerweile eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Welt und zieht jährlich weit über eine Millionen Touristen an. Der Eigentümer des Schlosses ist der Freistaat Bayern und es untersteht der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.